Collier im Steindesign - Emaillieren - Kunst und Handwerk 2015

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Metallarbeiten
Pressforming – Collier aus Donaukiesel
und Email-„Stein“-Elementen.

Infos zum Pressformen finden Sie auf dieser HP unter "Pressforming engl" oder im Internet unter:

In „Grains of Glass“, einem amerikanischen Forum für Emailkünstler tauchte die Frage auf, wie sich ein Collier aus echten Kieseln und Email-„Kieseln“ gestalten lässt. Hier mein Vorschlag.
Metallarbeiten
Die Email-„Kiesel“ sollen selbstverständlich dreidimensional sein. Hier bietet sich das Pressformverfahren an, da sich Vorder- und Rückseite des Steins problemlos  und exakt herstellen lassen.


Wie im Pressform Verfahren beschrieben werden zunächst die Umrisse der geplanten Steine auf eine Kunststoffplatte aufgezeichnet und ausgesägt. Linien im Abstand von 5-10 mm rund um den Steinausschnitt erleichtern das genaue Auflegen des zu pressenden Blechs.
 




Zunächst wird ein 0,5 mm starkes Kupferblech von der Vorderseite der Kunststoffplatte aus gewölbt. Die Kunststoffplatte wird sodann umgedreht und das zweite Blech von der Rückseite der K-Platte aus gewölbt. So erhält man zwei gegengleiche Teile.



Bei dem vereinfachten Pressformverfahren lassen sich im ersten Schritt Wölbungen von ca. 5 mm Höhe erreichen. Um die Wölbung zu verstärken wird das Blech nach der ersten Wölbung ausgeglüht und abgeschreckt. Dann wird das gewölbte Blech mit der Wölbung nach unten in die passende Aussparung der K-Platte gelegt. In die Blech-Wölbung wird ein Gummistück, dass in der Form des Steins, aber etwas kleiner geschnitten wurde, eingelegt. Darüber eine etwas größere Gummiplatte und, wie im Pressformen beschrieben, der Brettamboss platziert. Durch einen erneuten kräftigen Schlag mit dem Fäustel wird die Wölbung aufgetieft.  Bei Bedarf kann der Vorgang wiederholt werden.                                          


In der gleichen Art und Weise werden alle benötigten Wölbungen hergestellt.

Damit der Übergang zwischen Wölbung und umgebendem Blech möglichst rechtwinklig ist, legt man das fertig gewölbte Teil mit der Wölbung nach unten in die entsprechende Aussparung der Kunststoffplatte. Darauf kommt, ohne Gummizwischenlage der Brettamboss. (Bild links Mit einem kräftigen Schlag auf den Amboss  Versucht man den Übergang zwischen Wölbung und Blech möglichst flach und rechtwinklig zu bekommen. Das erleichtert später das Löten. Mit einem etwas dickeren Filzstift umrandet man die Wölbung. Entlang der Außenkante der Markierung wird die Wölbung ausgesägt. (Bild rechts) Sollen später zwei Hälften miteinander verlötet werden, erleichtert der etwas breitere Rand das zusammenlöten der Hälften. 


Vor dem Zusammenlöten werden die Innenseiten der „Steinhälften“  gegenemailliert. Damit das Werkstück nach dem Löten nicht implodieren kann, muss an mindestens einer Seite ein Loch in das Werkstück gebohrt oder gefräst werden. Durch  das, bzw. die Löcher, wird später das Stahlseil für das Auffädeln der „Steine“ zum Collier geführt.  Danach  werden die Ränder der Wölbungen mit Schmirgelpapier gut gereinigt. Auf den Rand einer Hälfte trägt man etwas Flussmittel und Silberlot extra hart auf. Ich verwende gerne Lötpaste , wie auf der linken Steinhälfte zu sehen.  Das Werkstück wird zunächst vorsichtig, dann kräftig erwärmt, bis das Lot schmilzt.





Um das Flussmittel und den Zunder nach dem Löten zu entfernen, wird das Werkstück gebeizt. Danach wird mit einer alten Feile die Lötfläche ein wenig flach geschliffen. ACHTUNG!! Nicht alles Lot entfernen. (Bild links). 
Nun werden die Ränder beider Hälften mit Flussmittel eingestrichen und mit Bindedraht umwickelt. (Bild rechts)  Dabei darauf achten, dass die Hälften passgenau aufeinander liegen. Das Werkstück wird sodann soweit erhitzt, dass das Lot fließt und die beiden Hälften miteinander verbindet.


 
Nach dem Beizen kann der überstehende Rand abgefei lt, oder auch stehen gelassen werden. (Bild links)
Spätestens jetzt sollte man an zwei Seiten des verlöteten Steins Löcher bohren die später zum Auffädeln der Steine benötigt werden. Danach ist der Stein fertig zum emaillieren.
Damit die doppelseitigen Steine beim Brennen keine druckstellen im Email bekommen, fertigt man sich aus einem Stück Edelstahlnetz einen U-förmigen Gegenemailständer. Durch die beiden seitlichen Löcher führt man einen Edelstahldraht von ca. 1 mm Durchmesser. So hängt der „Stein“ beim Brennen frei. (Bild rechts) Da die Silberlote „extra streng“ oder „Emaillierlot“ eine Arbeitstemperatur von etwa 770 Grad C haben, sollte die Ofentemperatur beim Emaillieren der Steine auf etwa 750 – 770 Grad eingestellt sein. Bei höheren Temperaturen könnte sich die Lötung lösen und der Stein auseinanderfallen.

Emaillieren der Seine oder der Steinhälften.

Die  „Steine“ oder „Steinhälften“ können nun emailliert werden. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.  Hier einige Beispiele:

1 + 2) Durchbrenntechnik: Zuerst niedrig schmelzendes Email aufsieben, darüber höher schmelzendes Email. Hoch brennen. Es entsteht ein „speckliger“ Effekt. Den gleichen Effekt erzielt man, wenn man bleifreies Email über bleihaltiges Email siebt und hoch brennt
3 + 4) Transparentes Email und feines Emailgranulat wird gemischt, nass aufgetragen und gebrannt.
5) Opakes email + Emailgranulat gemischt, nass aufgetragen und gebrannt.
6, 7 und 8) Feines und grobkörnig zerkleinertes Email gemischt, nass aufgetragen, getrocknet und gebrannt.
9) Graues opakes Email nass aufgetragen. In das nasse Email braun opakes Email in Streifen eingetragen, getrocknet + gebrannt.
10, 11 und 14) wie 6 und 7
13 und 16) Grau, bzw. braun opak nass aufgetragen dann weiß opak mit einem Spatel ebenfalls nass eingetragen, getrocknet und gebrannt.
15) Schablonentechnik. (Bild rechts) Braun opak aufgesiebt und gebrannt. Ein Stück eines Apfelsienennetzes aufgelegt, etwas Kleber aufgesprüht und grau opak aufgesiebt. Netz entfernt. Werkstück getrocknet + gebrannt.
17: Opakes braun aufgesiebt, Fadenemail aufgelegt, gebrannt.
18: Graues Email mit feinem Zunder gemischt, nass aufgetragen, getrocknet, gebrannt. Alle Steine meiner Kette wurden nach dem Brand matt geschliffen.

Vorbereiten für das Fassen.


Zwei passende Steinhälften werden gegeneinander gelegt und die Ränder so geschliffen, dass beide Teile genau aufeinander passen. Die passend zu geschliffenen Hälften ermöglichen sauberes fassen der Steinhälften. (Bild links)
 
 



Zum Fassen verwende ich Feinsilberband ca. 6 mm breit und 0,25 mm dick. Feinsilber ist wesentlich weicher als legiertes Silber. Das erleichtert das Andrücken der Fassung an den Stein.
Damit die Breite der Fassung über beide Steinhälften gleich wird, wird längs auf die Mitte des Flachbands ein ca. 1 mm dicker Runddraht aus Feinsilber gelötet. Das gibt den beiden Hälften beim Fassen einen sicheren Halt. (Bild links)
 

 

Um eine Steinhälfte wird ein Stück des so vorbereiteten Flachbands angepasst, abgelängt und die Enden verlötet. Dabei darauf achten, dass der untere Rand des Steins sauber auf dem Runddraht aufliegt. (Bild links) 
Das Gegenstück des Steins wird von der anderen Seite in die Fassung eingepasst. Auch hier darauf achten, dass der Steinrand sauber auf dem Runddraht aufliegt. Anschließend wird die Fassung über beide Seiten des Steins gedrückt. (Bild rechts)






Damit der Stein später aufgefädelt werden kann, werden an 2 Seiten der Fassung kleine Löcher gebohrt. Dabei darauf achten, dass die Löcher nicht breiter werden als der  Fassungsdraht. (Bild links)
Anschließend wird die Fassung poliert. Das Stück ist fertig zum auffädeln.



Das Collier im Bild links besteht aus gefassten Steinhälften und echten Donaukieseln.  Um die echten Donaukiesel wurde ein Silberband stramm gespannt. Mit sehr wenig 2 Komponentenkleber wurden die Bänder dann fixiert.
 
Für das Collier „Goldnuggets“ wurden die Hälften aus 0,5 mm starkem Kupfer press-geformt und verlötet. Die verlöteten Nuggets wurden weiß emailliert. Danach wurde Emaillier-Goldfolie aufgeklebt, getrocknet und gebrannt. Nach dem Brennen  wurde die Goldfolie partiell vorsichtig abgeschliffen, unter fließendem Wasser gut gereinigt und zum Schluss glanzgebrannt. Kleine Süßwassererlen wurden zwischen die Nuggets eingefügt. Aufgefädelt wurde das Ganze auf flexiblen Edelstahldraht. 





Mit dem Pressformverfahren lassen sich noch viele andere Elemente herstellen. Die links gezeigten Colliers wurden aus 0,3 mm starkem Feinsilber gepresst. Dadurch sind sie besonders leichtgewichtig und angenehm zu tragen. 

Das rechte Bild zeigt verschiedene Formen die zu Colliers verarbeitet werden können.
 
 
 
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