Gold- und Silberfolie - Emaillieren - Kunst und Handwerk 2015

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Emailtechniken
Gold- und Silberfolie

Beim Emaillieren werden Gold- bzw. Silberfolien in erster Linie eingesetzt, um die Transparenz und Leuchtkraft transparenter Emails zu erhöhen und um die Kosten für massive Gold- oder Silberuntergründe zu vermeiden. Goldfolien können wegen ihrer chemischen Stabilität für sämtliche transparenten Emails genommen werden. Besonders schön werden alle Rot-, Gelb- und Grüntöne. Blaue Töne schlagen wegen der gelben Farbe des Goldes nach Grün um. Silberfolien sind für die meisten transparenten Rot- und Brauntöne nicht geeignet, da beim Brennen zwischen diesen Emails und dem Silbergrund eine chemische Reaktion stattfindet, die das Email in einen hässlichen, trüben Braunton umwandelt.
Blau- und Grüntöne werden in der Regel auf Silber sehr schön. Ehe Sie eine grössere Arbeit mit Folien in Angriff nehmen, sollten Sie unbedingt Probeplatten anfertigen, um vor bösen Überraschungen geschützt zu sein.
Für die Emailtechnik bestens geeignet sind handgeschlagene Gold- oder Silberfolien. Folien, wie sie der Vergolder oder der Buchbinder benutzt, sind für Emailtechniken nur bedingt zu gebrauchen, da sie extrem dünn sind. Beim Kauf von Gold- oder Silberfolien sollte man auf den Verwendungszweck hinweisen, oder die Folien direkt bei einem Emailhändler kaufen. Leider lassen sich folienunterlegte Emails nur schlecht fotografisch darstellen. Trotzdem auch hier einige Bilder. Bei dem "Igel-Anhänger" wurde die Goldfolie nicht mehr überemmailiert. Die anderen Abbildungen zeigen Silberfolie unter transparenten Emails.

Verarbeitung.
Vorbereiten der Folien. Sollen grössere Emailflächen mit Folie belegt werden, ist es erforderlich, die Folie vorher etwas zu "durchlöchern". Goldfolie lässt man zwischen den Seidenblättern, so wie man sie von der Goldschlägerei erhält liegen und legt dieses"Sandwich" auf eine nicht zu weiche Unterlage (Kork- oder Gummiplatte oder einige Blatt Papier). Mit einer feinen Nadel stößt man kleine Löcher durch das Sandwich "Seidenpapier- Goldfolie-Seidenpapier". 8-10 Löcher pro cm² sind ausreichend. Durch diese Löcher kann beim Brennen die unter der Folie eingeschlossene Luft bzw. das Klebemittel entweichen. Silberfolie kann man genauso präparieren, einfacher ist es jedoch, die Folie zwischen 2 Blätter normales Papier zu legen, das Ganze vorsichtig zu einem lockeren Ball zusammenzudrücken und dann Blätter und Folie wieder zu glätten. Dabei entstehen ausreichend kleine Risse, durch die später Kleber und Luft entweichen können. Eine weitere Möglichkeit ist, die Folie zwischen 2 Blatt SchleifpapierKörnung etwa 120-180 zu legen (die Folie zwischen die Schleifmittelseiten) und mit mässiger Kraft auf das "Sandwich" zu drücken. Es entstehen viele kleine Löcher.
Gold- und Silberfolien benötigen als Untergrund immer eine Emailschicht. Sie können nicht direkt auf das blanke Metall aufgebrannt werden. Beschrieben wird hier das Aufbrennen einer Gold- oder Silberfolie auf eine emaillierte Kupferplatte. Wenn Sie keine Grundkenntnisse im Emaillieren haben, schauen Sie bitte unter "Grundtechniken" nach.
Links sehen Sie, schematisch dargestellt, die Aufbaufolge für die Folientechnik. Von unten nach oben: Gegenemail, Metallrezipient, Email auf das die Folie aufgebrannt wird, Folie, transparentes Email, das die Folie bedeckt.
* Rückseite der Kupferplatte gut reinigen, mit Kleberwasser einsprühen mit Gegenemail besieben, trocknen, auf einen Brennuntersatz legen und das Ganze brennen.
* Nach dem Erkalten Platte plan drücken und Vorderseite und Seitenkanten vollständig vom Zunder befreien.
* Platte mit Kleberwasser einsprühen, mit Email, bevorzugt Fondant, besieben, auf einen Gegenemailständer stellen und brennen. Wenn die Platte später vollständig mit Folie belegt werden soll, kann normalerweise fast jedes Email als Untergrund Verwendung finden. Vorsicht geboten ist allerdings bei opakem Weiss unter Silberfolie. Hier kann es schnell zu unerwünschten Reaktionen kommen, im Klartext: Silberfolie verbrennt auf opakem Weiss bei relativ niedrigen Brenntemperaturen!! Bei teilweiser Belegung der Emailfläche mit Folie verwendet man als Untergrundemail Fondant oder ein der späteren Arbeit zuträgliches opakes oder transparentes Email.
* Nach dem Erkalten die Ränder entzundern.
* Platte gut unter fließendem Wasser abwaschen, um Zunderreste zu entfernen.
* Platte mit einem sehr stark verdünnten Klebemittel hauchdünn einstreichen und sofort die durchlöcherte Folie auflegen. Die Folie kann auf dem feuchten Hintergrund noch etwas verschoben werden. Aber Vorsicht!! Die Folie, vor allem Goldfolie, reisst sehr leicht!! Sollte das passieren, ist aber noch nichts verloren. Kleben Sie über den Riss einfach ein Stückchen neue Folie.
* Platte zum Trocknen auf den heissen Ofen stellen. Langsam erwärmen, damit das Kleberwasser verdampfen kann. Sollte sich die Folie dabei etwas aufwölben, wird sie mit einem flachen Spatel oder einem Borstenpinsel wieder angedrückt.
* Platte brennen.
* Nach dem Abkühlen Folie nochmals mit einem weichen Lappen kräftig andrücken. Dabei nicht reiben, da sonst nicht ganz festgebrannte Folie abgerieben werden kann. Passiert es doch, solche Flächen mit Folie neu belegen und nochmals einbrennen.

Die so präparierte Platte kann nun weiterverarbeitet werden. Z. B. kann die ganze Fläche mit transparenten Emails betragen werden, Teile der Folie können mit einem Diamantfräser weggeschliffen werden, oder man arbeitet in der Cloisonné-Technik weiter.
Auf Silberfolie sollten Sie allerdings keine Kupferstege verwenden, da sonst an den Kontaktstellen zwischen Silberfolie und Kupferstegdraht beim Brennen eine Silber-Kupferlegierung entstehen kann. Die Silberfolie "verbrennt" an diesen Stellen!! Auf Silberfolie ist auch mit opaken weissen Emails Vorsicht geboten. Auch hier kann es an den Kontaktstellen zu Schmelzpunkt- erniedrigungen des Silbers kommen. Legt man auf die Silberfolie zunächst eine Schicht Fondant, kann sowohl das Verbrennen an den Kupfersteg/Silberfolien- Kontaktstellen als auch an der Kontaktstelle Silberfolie/Weiss opak vermindert werden. Ein Restrisiko bleibt aber immer!!

Die Ronde (Durchmesser ca. 4 cm) dieser Brosche ist aus 0,8 mm Kupferblech. das gegenemailliert wurde gefertigt.
Sichtseite wurde mit Fondant besiebt und gebrannt.
Abkühlen und Fondantseite mit Kleberwasser einsprühen.
Silberfolie wie beschrieben "löchern" und auf die nasse Fläche legen.Brennen.
Abkühlen und Folie mit einem Polierstahl andrücken und polieren.
Design mit aufgeklebten Feinsilberstegen gestalten und die Stege aufkleben.
Die gesamte Designfläche mit etwas Kleberwasser bestäuben, hauchdünn Silberfondant darüber streuen und Brennen.
Weiterverarbeitung wie unter Zellenschmelz beschrieben.
 
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