Teil zwei - Emaillieren - Kunst und Handwerk 2015

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Spielereien
Raku-Technik


Die von der Keramik her bekannte japanische Raku-Technik, lässt sich begrenzt auch zur Gestaltung von Emailoberflächen einsetzen. Nur wenige Emails eignen sich jedoch für diese Technik. Brauchbare Effekte lassen sich mit Emails erzielen, deren Rezepturen Mangan, Eisen oder Kupfer enthalten. (Braun, Schwarz, Grün). Opake Emails arbeiten besser als Transparente. Experimente mit den eigenen Emails sind allerdings unerlässlich, da die Emailrezepturen von Hersteller zu Hersteller stark unterschiedlich sind.. Deshalb ist diese Technik eher etwas für Experimentierfreudige. Tests kann man auf kleinen Kupferesten machen. Gelungene Plättchen können dann noch zu Schmuck verarbeitet werden.

Grundlagen.
An der glühenden Emailoberfläche werden durch Sauerstoffentzug bzw. durch Erzeugung von Kohlenmonoxid die zur Farbgebung dienenden Metallsalze der Emails zu fast reinem Metall reduziert. Dieser Metallfilm ist so dünn, daß er wie Öl auf einer Wasserlache schillert und so der Oberfläche ein besonders interessantes Aussehen verleiht.

Sicherheitshinweise
Zuvor einige wichtige Hinweise. Diese Technik sollte man nicht mit Kindern durchführen!! Wichtig ist eine gut durchlüftete Werkstatt. Alternativ arbeitet man im Freien. Das beim Brand entstehende Kohlenmonoxid ist hoch giftig!! (Rauchvergiftung). Ein Eimer mit Löschwasser sollte bereitstehen.

Durchführung
* Einen Gegenstand, z. B. eine Schale innen und außen mit geeigneten Emails emaillieren und zur Seite stellen.
* Ein mit einem Deckel dicht verschließbares Metallgefäß (alter Topf, Abfallbehälter oder für kleine Testobjekte eine verschließbare Blechbüchse) zu etwa 2/3 mit brennbarem Material füllen. Geeignet sind: trockene Blätter, Zweige und Nadeln von Nadelgehölzen, unbehandeltes und unbedrucktes Papier, Säge- oder Hobelspäne. Zur besseren Rauchent wicklung können die Materialien etwas angefeuchtet werden.
Keinesfalls tropische Hölzer oder Hölzer die imprägniert, gewachst, geölt oder sonstwie behandelt sind verwenden. Ebenso keine Spanplattenreste oder Papier von Hochglanzmagazinen. Diese Materialien können sehr unangenehmen oder sogar giftigen Rauch entwickeln. .
* Voremailliertes Werkstück im Ofen auf ca 850 Grad C erhitzen.
* Heißes Werkstück direkt vom Ofen sehr vorsichtig in den mit brennbarem Material gefüllten Behälter geben. ACHTUNG!! Das Kupfer ist im glühenden Zustand sehr weich!!
* Ein - zwei Hände voll brennbares Material auf den Gegenstand streuen.
* Etwa 20-30 Sekunden warten, bis das Material Feuer gefangen hat.
* Deckel auflegen
* Gefäß etwa 1-2 Minuten fest verschlossen lassen.
* Emailgegenstand herausnehmen und unter einen umgekehrten Topf stellen, damit der Gegenstand möglichst langsam abkühlt.
* Zeigt sich der Raku-Effekt, Gegenstand nach dem Abkühlen mit Wasser waschen. Ist der Raku-Effekt unbefriedigend, liegt es meist daran, dass das Email ungeeignet war. Ein erneuter Brand läßt alle Rakuspuren verschwinden.

Schöne Effekte lassen sich auch erreichen, wenn man den voremaillierten Gegenstand vor dem Raku-Brand partiel mit in Wasser gelöstem Silbernitrat (Lösung ca 25%ig) bemalt. Während des Brandes entstehen leichte Risse, in denen sich das Silbernitrat konzentriert. Durch das Kohlenmonoxid wird das Silbernitrat zu Silber reduziert und es zeigen sich auf der Oberfläche haarfeine Silberlinien. Dieser Prozess ist allerdings nicht steuerbar.
Um die Emailoberflächen noch interessanter zu gestalten, kann man vor dem eigentlichen Raku-Brand auf die Emailoberfläche Goldfolien applizieren. Besonders geeignet sind hier die Echtgoldfolien die der Buchdrucker oder der Vergolder verwendet. Sie sind dünner als Echtgoldfolien für Email und reißen deshalb beim Brand zu interessanten Strukturen auf.

Dieser Beitrag stützt sich auf die Arbeiten von Jean Tudor USA, der ich viele Hinweise und Tips verdanke. Die beiden Bilder zeigen Experimentalarbeiten von Jean Tudor. Weitere Bilder von J. Tudor finden Sie unter: http://www.enamelguild.org/Raku_examples.htm und in einem ausführlichen Artikel von Frau Tudor in "Glass on Metal"

Literatur: 1) Glass on Metal www.glass-on-metal.com
2) The Art of Fine Enameling, Karen L. Cohen, Sterlimg Publishing, N.Y., USA,
3) The Art of Enameling, Linda Darty, Lark Books, N. Y. USA
Underglace D

Underglace D von Thompson-enamel, USA ist sehr feines Eisenoxid das in Öl suspensiert ist. Mit ihm läßt sich mit Schreib-, Redisfeder oder Pinsel entweder direkt auf Metall oder aber auch auf Email zeichnen und malen. Da Underglace D keinen Glasbildner enthält, muß die Zeichnung immer mit einem transparenten Email überfangen werden. Neben präzisen Zeichnungen kann Underglace D aber auch zur "Schattenbildung" verwendet werden. Dazu gibt man etwas davon auf die Email- oder Metalloberfläche und verwischt es, bis die gewünschte Schattenwirkung erreicht ist.
BILD: Die schwarzen "under glace D-Linien" der Platte "Meeresgrund" wurden mit Pinsel und Feder auf eine voremaillierte Platte gezeichnet, getrocknet, hoch gebrannt, anschließend mit Fondant überfangen und erneut gebrannt.

Literatur: Glass on Metal, www.glass-on-metal.com




Grisaille-Email

Das Grisaille-Email ist eine Weiß-auf-Schwarz-Malerei die heute kaum noch angewandt wird. Es gibt spezielle Emails für diese Technik, da das Schwarz ein sehr stabiles Brenn- verhalten erfordert und das Weiß nicht vollkommen opak, sondern etwas durchscheinend sein soll.

Durchführung:
Eine Kupferplatte wird schwarz emailliert. Auf die schwarze Fläche wird mit einem Pinsel das Weiß der Zeichnung nass aufgetragen und nach dem Trocknen gebrannt. Dieser erste Brand lässt das Bild grau, flach und flau erscheinen, da das Schwarz noch stark durch die weiße Schicht scheint. Durch erneuten Auftrag von Weiß, werden Lichter aufgesetzt und gebrannt. Diese Vorgänge werden so lange wiederholt, bis die Bildwirkung befriedigt. Durch das ständige Nachtragen von weiß werden die hellen Stellen immer dicker, so daß das ganze Bild leicht plastisch erscheint.
Man muß nicht unbedingt in schwarz-weiß arbeiten. Auch Arbeiten in z. B. Braun und Elfenbein oder Dunkelblau und Weiß sind möglich. Wichtig ist, dass die „Zeichnungsfarbe“ , also das Email mit dem gemalt ist halbdurchscheinend (opal) ist. Das gezeigte Bild ist eine moderne Grisaille-Arbeit von Bill Helwig, USA.

Drucken mit Stempeln
Mit selbstgefertigten Gummi- oder Kartoffelstempeln kann man Motive auch in Email verwirklichen. Man kann direkt auf eine Kupferplatte oder auf eine voremaillierte Platte drucken. Hier 2 Möglichkeiten
* 1.) Flüssigemail dünn auf eine Glasplatte streichen. Stempel in das Email drücken und auf die Metall- bzw. Emailfläche übertragen. Trocknen und vorsichtig brennen
* 2.) Glyzerin dünn auf eine Glasplatte verteilen.
* Stempel in das Glyzerin drücken und auf die Email- bzw. Kupferoberfläche übertragen.
* Email über den noch nassen Glyzerindruck sieben.
* Etwa 30-40 Sekunden warten, damit das aufgesiebte Email vom Glyzerin durchtränkt wird.
* Platte umdrehen und durch leichtes klopfen an der Platte das überschüssige Email entfernen.
* Platte auf einen Gegenemailständer legen und mindestens 20-30 Minuten auf den heißen Emailofen stellen, damit das Glyzerin abraucht.
* Brennen.
Sie können übrigens Glyzerin auch mit einem Tropfen Tinte versetzen, in einen Füllfederhalter füllen und damit auf eine voremaillierte Platte zeichnen. Der Tropfen Tinte dient nur der Sichtbarmachung der Zeichnung. Auf die nasse Zeichnung Email sieben und weiter wie oben.

Lusteremail
Luster auf Email lassen sich auf verschiedene Art erzeugen.
1. Mit einem Lötbrenner mit der reduzierenden, gelblichen Flamme (wenig bis keine Luft zugeben) über die fertigemaillierte Oberfläche streichen. Bei geeigneten Emails (siehe rechte Spalte RAKU) entstehen gold-grüne oder silberne bis schwarze Luster.
2. Thompson enamel vertreibt spezielle Lusterfarben, die auf die fertig emaillierte Oberfläche aufgetragen, beim Brand mehr oder weniger deutliche Luster erzeugen.
3. Siehe rechte Spalte RAKUTECHNIK. Der Lustereffekt mit Thompson Lusteremails läßt sich auf obiger Probeplatte nur unvollkommen darstellen.

Neben den Lusterfarben gibt es noch flüssiges Echtgold und Echtplatin (Silber). Sie werden wie bei der Porzellanmalerei aufgetragen und gebrannt. Gebrauchsanweisung erhalten Sie mit der Bestellung bei Thompson enamel www.thompsonenamel.com

 
 
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